Die Industriegeschichte von Schlotheim

 

Das Schlotheimer Seilerhandwerk entstand aus der Leineweberei. Denn bis zum Aufkommen der billigen Baumwolle im 19. Jahrhundert bildeten die aus Flachs hergestellten leinenen Gewebe die hauptsächliche Bekleidung der ländlichen Bevölkerung, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts zum überwiegenden Teil die Bevölkerung Schlotheims ausmachten.

Zum Rittergut und der Domäne gehörten zu dieser Zeit fast 80 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Der Rest wurde in wenig ertragreicher bäuerlicher Kleinwirtschaft bearbeitet, so dass man immer bestrebt war "Zubrot" zu erlangen. Spinnen und Weben des Flachses. zu Leinen war zur damaligen Zeit allgemein auf dem Lande eine häusliche Winterbeschäftigung. Noch heute weisen Straßennamen wie Weberstraße Seilerstraße und Flachsmarkt aber, auch Hanfsee auf diesen Ursprung hin.

Vermutlich kann man das Jahr 1624 als Entstehungsjahr der Seilerei annehmen, da sich in diesem Jahr ein Seilermeister namens Peters in Schlotheim ansiedelte, der erste, der im Bürgerbuch der Stadt erwähnt wird.
Die Entwicklung zu größeren Betrieben begann in Schlotheim Anfang der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts. Ein Kaufmann Krakrügge aus Erfurt, der die industriemäßige Ausbaufähigkeit der Seilerei bald erkannt hatte errichtete 1836 den ersten sogenannten Großbetrieb. Danach folgten rasch weitere Firmengründungen, so Wilhelm Hoffmann & Co. (1837),

Gebrüder Martini (1838); Ernst Laube (1850), Albert Müller - später Müller & Wimmer (1860), C.H.G.! Müller (1863), Gebr. Haselhuhn / Karl" Haselhuhn (1866), Emil Müller (1875), Thilo Hoffmann (1878).
Auch die Firmengründungen der Schlotheimer Treibriemenweberei, die ja bekanntlich aus der Seilerei, hervorging, fallen alle in diese Zeit, so die Fa. August Reuschel & Co. (1862), J.C. Martini (1870)

und Albert Ohl (1874). Der Ruf Schlotheims als Seilerstadt war geprägt von der Vielzahl der ortsansässigen Seilermeister (um 1850 über 50!), der daraus entstandenen Industrie und der Einmaligkeit von 19 Industriebetrieben der Seilerei und Weberei an einem Standort. Die Produkte der Seilerei und Weberei und der sich daraus ableitenden, artverwandten großen Produktpalette sowie der hohe Exportanteil machten Schlotheim weltbekannt.


Bis 1989 hatte Schlotheim eine florierende Textilindustrie (Seilerei / Weberei) mit über 2 500 Beschäftigten. In den Jahren nach der Wende zeichneten sich für diesen traditionellen Industriezweig kaum Wettbewerbschancen ab. Die Masse der Betriebe musste schließen. Heute sind in zwei Textilbetrieben noch ca. 50 Personen mit der Fertigung von speziellen Erzeugnissen bzw. Nischenprodukten in kleinen Losgrößen beschäftigt.